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Sonntag, 10. April 2011

Verreckter als im Zigerschlitz

Tag 34 bis 41; Montag 28.März bis Montag 4. April

Läck ‘o’ mio! Schon 40 Tage bin ich unterwegs! Kaum zu glauben und ich könnt mich glatt dran gewöhnen! Also, wo war ich das letzte Mal stehen geblieben. Ja genau, die Caves…

Nach der Nacht auf der Conto Campsite bin ich dann weiter Richtung Süden gezogen. Es gab noch einen Cave auf meiner 3 Höhlen Karte zu tilgen, der Jewel Cave. Dieser war das Geld aber wirklich wert. Die¨Haupthöhle ist fast so hoch wie die des Mammoth Caves, rund 80 Meter. Über und über voll mit Tropfsteinen. Weiter unten gibt es dann eine Orgelformation zu sehen und viele Tropfsteine wachsen horizontal zur Seite. Dass passiert wenn der Lauf des Wasser blockiert wird. Die Anzahl an verschieden grossen Säulen ist schier unermesslich! Einst gab es am Grund der Höhle auch einen See. Der ist leider in den Siebzigern plötzlich ausgetrocknet. Keiner weiss warum, aber ich bin mir sicher das hat mal wieder was mit den Menschen zu tun. Was wäre das für ein unglaublicher Anblick gewesen, wenn sich all die Tropfsteine auch noch im Wasser gespiegelt hätten…

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Piratenkuh, noch mehr Höhlen und der Leuchtturm vom Cape Leeuwin

In den weiteren Tagen waren dann aber die Wälder bestimmend. Die Gegend im südwestlichen Zipfel von Westaustralien wird von weitläufigen Karri, Marrah und Jarrahwäldern überzogen. Es handelt sich dabei durchwegs um Eukalyptusarten, von denen der Karri eine stattlich Höhe erreichen kann. Deshalb wurden die höchsten und exponiertesten Exemplare dieser Karri als Firetrees auserkoren. Das heisst es wurden entlang des Stammes grosse Stahlnägel in den Baum gebohrt, auf denen man, einem Korkenzieher gleich, die Krone des Baumes erklimmen konnte. Bis in die Achtziger, Neunziger wurden diese wärend des Sommers durch Firespotter besetzt, Leute die den ganzen Tag die Wälder nach Rauch absuchen und diesen der Feuerwehrzentrale melden. So können verheerende Waldbrände vermieden werden. In den letzten Jahren werden diese aber mehr und mehr durch Flugzeuge ersetzt. Trotzdem sind noch einige Firetowers regelmässig besetzt. Allerdings nicht mehr auf den Karris. Einige dieser Firetrees wurden nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Drei Bäume können um die Region Pemperton noch auf die alte und abenteuerliche Weise bestiegen werden.

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Freche Pfannenputzer, Kletterbäume und Wasser, Staub, Wasser

Eine andere Geschichte ist die Zerstörung des Waldes durch die Timber Industrie. Das sehr robuste und harte Holz der Karri wird zu Balken und Brettern verarbeitet, welche im Hausbau usw. Verwendung finden. Das sehr begehrte holz wurde und wird auch in Massen exportiert. So wurden die Robusten Hölzer in Südafrika im Minenbau als Stützbalken verwendet. Die Rodung nahm unglaubliche Masse an. Es wurde praktisch der ganze Bestand der riesigen Wälder dem Erdboden gleich gemacht wurde. Erst als die Regierung, nach massiven Protesten der Bevölkerung, grosse Teile der Region unter Naturschutz stellte nahm die Rodung ab. Aber auch heute noch werden, trotz Management und Naturschutz, grosse Teile der Wälder gerodet. Die nicht ohne gravierende Folgen für die Natur zu hinterlassen. Da diese Eukalyptusarten schnell wachsen, hat sich der Waldbestand in den letzten Jahrzehnten etwas erholt. Allerdings finden sich sehr viele schmale und dünne Bäumchen, die nicht so richtig wachsen wollten. Meist tauchen diese in Gruppen von zwei, drei oder mehreren auf. Diese schiessen aus den Stümpfen der gerodeten Bäume aus, werden es aber niemals auf die Grösse eines der stattlichen ausgewachsenen Exemplare schaffen. “Rubbish”, “Abfall” wie mir einer der ehemaligen Timberworker erzählt hat. Er habe Jahrelang für die Timber Industrie gearbeitet, bis er erkannt habe was da im Wald eigentlich passiert. Danach habe er gegen die Industrie gearbeitet. Er könne sich noch schwach an die Wälder erinnern, wie sie zu seiner Kindheit waren. Damals waren sie noch dicht und voll von riesigen Bäumen. Ganz im Gegenteil zu heute. Der Wald wurde nie mehr richtig aufgeforstet und zeigt sich heute licht, voll von diesem “rubbish” und nur einigen wirklich stattlichen Bäumen. Karriwälder wie anno dazumal gäbe es nur noch an ganz wenigen stellen. Nämlich dort wo das Gelände einfach zu steil für die Maschinen war.

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Fotografieren nur mit Mittelformatkameras erlaubt, Bush Boys, Plakenpfade, Harte Nüsse, nasse Füsse, nochmals Wasser und Staub, Mount Frankland, Kronenpfad, Grün, Grün, Grün

Weiter unten im Süden gehörte die Szenerie wieder ganz den Küstenlandschaften. Fantastische Strände, mal zum baden, fast immer zum fischen und auf jeden Fall zum bestaunen geeignet. Besonders schön ist dabei der William Bay Nationalpark mit seinem Greens Pool und den Elephant Rocks. Der Greens Pool ist ein herrlich geschützter Meerwasserpool. Das heisst die Wellen werden weiter draussen durch vorgelagerte Felsen gebrochen, so dass im Pool dann fast keine Wellengang mehr herrscht. Einige Granitkugeln die wie Murmeln im Meerwasser verstreut liegen ergänzen die ganze Szenerie mit azurblauen Wasser perfekt. Die Elephant Rocks sind ebenfalls Granitfelsen, die aber wie eine Herde Elefanten im Wasser aussehen. Da es Sonntag war und die Gegend unweit mehrerer Ortschaften liegt, war der Andrang bei den schönen Plätzchen entsprechend gross.

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Mehr Meer auf verschiedenste Weisen…

Nach einigen Versorgungsgängen im Küstenstädchen Albany ging es dann wieder etwas ins Landesinnere, zu den Stirling Ranges. Diese Gebirgskette wird vor allem mit seinem höchsten Mitglied, dem Bluff Knoll beworben. Der ist etwas über 1000 Meter über Meer, ragt aber natürlich im flachen Australien wie ein Granitdom der Schweizer Alpen aus der Weltgeschichte heraus. Am Campingplatz habe ich dann auch noch zwei Schweizer getroffen. Sabrina und Partick. Mit dem zwei Berner habe ich dann beschlossen anderntags nicht den Bluff Knoll, sondern den zweithöchsten Gipfel der Range, den Toolbrunup zu besteigen. Zwar ist dieser um einige Meter niedriger als der Bluff Knoll. Dafür steht er mitten in der Range drin und gewährt einem eine 360° Rundumsicht! Der Aufstieg ist zwar nicht ganz ohne. Erst durch dichte Wälder geht es dann immer steiler ansteigend über Geröllhalden und ganz am Schluss direkt kraxelnd am Berg hoch. Ein Seil braucht man zwar schon nicht ganz, aber der Aufstieg ist über grosse Stücke sehr steil und felsig. Ganz so wie bei uns in der Schweiz. Bzw. “Verreckter als im Zigerschlitz”, wie es mir ab und an aus meinem Mund entglitt… Die Aussicht oben ist aber fantastisch. Man steht isoliert auf der Spitze mit diesen phänomenalen Rundumblick. Dieser Berg ist einfach wirklich wunderschön, sowohl wenn man oben steht als auch wenn man ihn von weiten sieht, sobald man sich der Stirling Range von Albany her kommend nähert.

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Toolbrunup (Eselbrücke: Tool; weil man fast Werkzeug brauch um da hoch zu kommen, Brun; weil man erst durch den Wald geht und der Boden da ist braun, Up; weil es einfach immer steiler up, up, up geht wenn man dda hoch will…), Sihouettenberge, massiv viel Fels, “Ich und der Berg” (Eigentlich “Patrick und der Berg”), Erst- und Einzigbezwinger-Beweis-Foto (Wir waren die ersten und wohl auch die einzigen die an diesem Tag da hoch sind)

1 Kommentar:

  1. Hallo Manuel,wie immer haben wir wieder gespannt auf deine Blder u. Berichte gewartet. Toll, was du alles so zu berichten weisst. So ein kleiner Nebenjob als Firespotter würde dir gar nicht so schlecht stehen! Die Fotos von den Elephant Rocks sind wunderschön. Alles Gute für deinen weiteren Trip.Lg. Ma u. Däddel

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