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Samstag, 30. April 2011

Breakdown Blues

Tag 54 bis Tag 66; Samstag 16. April bis Donnerstag 28. April
Definitiv eine lange Zeit ist seit meinem letzten Eintrag vergangen. Dementsprechend ist auch einiges passiert und dass ich jetzt die Zeit dazu gefunden habe alles nachzutragen habe ich meinem Wicked Camper zu verdanken, der jetzt endgültig den Geist aufgegeben hat. Aber alles der Reihe nach…
Exmouth war, wie befürchtet, sehr touristisch. Offensichtlich wollten noch alle Australier ohne Kinderschar am Hals die “ruhige” Zeit vor den Ostern und den Schulferien geniessen. dementsprechend nicht mehr ganz so ruhig war es in Exmouth. Für mich war das Ningaloo Reef ehrlich gesagt auch nicht so der Hit. Als schlechter Schwimmer genoss ich das Riff wegen den zuweilen starken Strömungen eher in Küstennähe. Obwohl dieses zuweilen auch bis um die 20-30 Meter an die Küste heranreicht sieht man die ganze Pracht des Riffs erst wenn man etwas weiter ins Meer hinaus schwimmt. Trotzallem habe ich einige Korallenstöcke und Fische geniessen dürfen. Interessant waren auch die beiden Gorges im Cape Range Park. So hat sich der Besuch alles in allem doch gelohnt.
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Fszinierende Sonnenuntergänge, tolle Gorgen, Fischer die im Trockenen sitzen, neugierige Monitore, viel Wasser in den sonst6 trockenen Flüssen und Landebahnen für Flugzeuge direkt auf dem Highway
Auf den rund 600 Kilometern Strecke von Exmouth nach Karratha machte sich ein neues Geräusch an meinem Camper bemerkbar. Beim anfahren quietschte etwas unter dem Wagen. In Karratha wurde ich dann in der Garage darüber aufgeklärt dass es sich um den Universal Joint handelte, der langsam aber sicher seinen Geist aufgab. Universal Joint würde ich dann mit Antriebswelle übersetzen. Da die Auftragsbücher voll seien und eh die Ostern bald beginnen würden, müsse ich zwei Wochen auf einen Reparaturtermin warten. Na toll. Zwei Wochen in einer öden Minenstadt festhocken… Das hätte mir gerade noch gefehlt. Nach etlichen Telefonaten mit Wicked und diversen eigenen Anstrengungen eine Garage aufzutreiben musste ich feststellen dass ich wohl in Karratha für eine Weile festsitzen würde. Beschämenderweise konnte mir Wicked weder ein Ersatzfahrzeug anbieten, da über Ostern die ganze Flotte ausgebucht sei, noch eine Reparatur organisieren. Das einzige was sie tun können sei mir das Ersatzteil mit Werkzeug nach Karratha zu schicken, damit ich die Reparatur dann selber erledigen könne… Na super! Schon mal ein e Antriebswelle mit einem billigen Satz Schraubenschlüsseln ohne anständige Garage gewechselt? Zum Glück konnte mir einer der Camper auf dem Platz nach einem kurzen, prüfenden Blick sagen dass ich noch 1000-1200 Kilometer mit dem Teil fahren könne. Also nicht wie in den Karijini Nationalpark, 350 Kilometer weiter südöstlich. Die Antriebswelle würde ich dann nach Ostern in Karratha abholen…
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Mal nicht die Sonne, sondern der Mond sorgt für dramatische Stimmung; Staircase to the Moon in Karratha
Der Park war dann auch das absolute Highlight. Rot bewandete Gorges, enge Schluchten und abenteuerliche canyoning Erfahrungen auf eigene Faust. Im Park finden fünf oder sechs Gorges, Schluchten, zusammen zu einer grossen Gorge, der Red Gorge. Da das Gestein in der Gegend sehr Eisenhaltig ist, leuchten die Gorges tiefrot im Sonnenlicht. Fast alle dieser Gorges kann man, zumindest für ein gutes Stück weit, auf eigene Faust erkunden. Da in den letzten Wochen recht viel Regen gefallen war und der Wasserpegel in den Schluchten recht hoch war, kam man nicht umhin ab und zu auch mal ein Stück zu schwimmen. Das herrlich erfrischen kühle Wasser lud einen aber auch direkt dazu ein. Alles in allem bleib ich drei Nächte im Park, um alles Gorges zu erkunden. Danach ging es noch nach Tom Price, der nahem Minenstadt. Da erklamm ich mit meinem Allradcamper den höchsten Berg in Westaustralien, auf den eine Strasse führt, den Mount Nameless. Die Strasse war Steil doch der Wagen meisterte diese dank Allrad und kleiner Übersetzung im Gang ohne Probleme. Am Nachmittag war dann noch einen Minentour angesagt. Allerdings konnte wir die riesige Tagebaumine meist nur aus dem Fenster des klimatisierten Busses erleben. Dann machte ich mich auf den Weg zum Millstream Nationalpark und schliesslich wieder zurück nach Karratha.
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Faszinierende Landschaften soweit das Auge reicht; Die Perle der Pilbara, der Karijini Nationalpark.
Tatsächlich konnte ich meine Antriebswelle in der BP Tankstelle abholen. Einbauen konnte mir diese aber nach wie vor niemand. Ich solle es 250 km weiter nördlich in Port Hedland versuchen, sagte mir Miss Wicked Roadsite Assistance Vanessa. Nach 250 weiteren km stieg dann die Wartezeit bereits auf 3 Wochen. Immerhin konnte ich einem liegen gebliebenem Aussie noch Starthilfe geben. Gemäss den Anweisungen von Miss Roadsite fuhr ich dann weiter und versuchte es bis nach Broome zu schaffen. Das waren ja nur noch 600 km mit einer kränkelnden Antriebswelle. Der nette ältere Herr vom Campingplatz hatte mir gesagt dass es erst kritisch wird wenn die Welle beginne zu vibrieren und zu brummen. Das war dann nach rund 300 km der Fall. Ich schaffte es gerade noch in das Sandfire Roadhouse, der letzten Bastion vor einen 300 Kilometer langen fahrt durch das Nichts. Diese 300 km wollte ich definitiv nicht mehr mit der vibrierenden Welle antreten. So entschloss ich mich, nach abspreche mit Miss Roadsite, kurzer Anleitung durch den Mechaniker in Broome und Hilfe von einem handwerklich versierten Mitarbeiter des Roadhouses die Welle selber auszutauschen. Mit etwas Kraftaufwand liessen sich die vier Schrauben an der Antriebswelle auch lösen. Somit konnte ich diese aus dem Schaltkasten ziehen und, was mir der Mechaniker von Wicked mal einfach vergessen hatte zu sagen, zuschauen wie das Getriebeöl aus dem Schaltkasten lief. Zum Glück hatte ich eine Plane unter den Wagen gelegt was verhinderte dass der ganze Boden mit Öl versaut wurde. Nun ging es an das einsetzten der Ersatzwelle. Das einstecken des Schaftes in den Schaltkasten war kein Problem und ich musste nur noch die Welle mit den vier Schrauben an der Hinterachse des Wagens befestigen. Tja, wenn die Welle nicht einfach mal gerade 15-20 cm zu kurz gewesen wäre, so hätte dies keinerlei Probleme bereitet. Dummerweise hat Wicked offensichtlich keinen überblick über ihre Fahrzeuge und der Mechaniker hat mir zwar das richtige Ersatzteil geschickt, aber den Fahrzeugtyp dabei nicht berücksichtigt. Abermals telefonierte ich mit Miss Roadsite, welche mir dann den Abschleppwagen 300 Kilometer von Brome herunter schickte und versprach dass, wenn ich dann wieder 300 Kilometer zurück nach Broome gefahren worden sei, ein Ersatzfahrzeug für mich bereitstehe. Bin  ja mal gespannt was die mir jetzt für eine Karre unterjubeln… Nun ja, wie gesagt, jetzt habe ich dafür mal Zeit gehabt um den Bl9g nachzuführen. Jetzt gerade sitze ich im Abschleppwagen und bin eigentlich auch mal ganz froh nicht selber fahren zu müssen.
Etwas Gutes war an der Story ja doch noch dran. Beim Sanfire Roadhaus habe ich Dell und Kevin wieder getroffen. Dieses ältere Pärchen hatte ich schon weiter unten nach Exmouth kennen gelernt. Ganz liebe Menschen die mich nach den freudigen Wiedersehen gleich bei sich im Camper zum Nachtessen eingeladen hatten mit Option zum gemeinsamen Frühstück am nächsten Tag. Wir haben dann noch recht lange geplaudert und leckeren, süssen Lambrusco getrunken…
Was für eine Gefährt ich dann in Broome entgegen nehmen darf, das lest dann mal schön im nächsten Eintrag :-) Bis dann!

Donnerstag, 28. April 2011

Oh Monkey Mio

Tag 50 bis 53; Mittwoch 13. April bis Freitag 15. April
Die Nacht haben wir auf einem 24 Stunden Highway Camping verbracht. War nicht Luxus, aber doch ok und vor allem Gratis. Wir wollten dann nach Denham hoch und uns Monkey Mia angucken. Weit kamen wir aber nicht. Schon nach einigen Kilometern stand ein weisser Holden Commodore am Strassenrand. Das gleiche Modell wie Tags zuvor. Allerdings waren diesmal zwei Italiener und eine verzweifelte Asiatin mit dem Auto stehen geblieben. Schon nach kurzer Inspektion konnten wir feststellen dass es sich wohl um dasselbe Problem wie beim anderen Holden handeln musste. Die Benzinpumpe wollte nicht mehr. Es hielten auch noch ein Trucker und ein Regierungsfahrzeug an. Abschleppen wollte und durfte aber keiner von den beiden. Da es sich beim Pannenfahrzeug um ein Automaten handelte wäre dies auch nicht so ratsam gewesen. Zu leicht könne man sich die Automatik beim Abschleppen kaputt machen, war der einstimmige Tenor. Der Trucker hat dann einen der Italiener mitgenommen, um in der nächsten Stadt einen Abschleppwagen anzufordern. Ein teures Unternehmen, zumal die drei eigentlich nach Perth fuhren um Arbeit zu suchen, sie hatten kein Geld, und leider nicht Mitglied beim australischen ADAC oder TCS waren. Da in Monkey Mia die Delfine am Morgen an den Strand kommen, haben wir uns in Denham für einen der vier Gratiscampingplätze registrieren lassen. Vorbeigekommen ist da aber eh keiner, das hätten wir also auch bleiben lassen können… Der Platz war nicht gerade eine Perle, aber für eine Nacht war das schon OK. Der Badestrand war algenbedeckt und nur gerade 20 Meter lang und erst nach kurzem, steinigem Fussmarsch zu erreichen. Der Sonnenaufgang am nächstem Morgen entschädigte aber vollkommen für diese Unannehmlichkeiten.
Frühmorgens ging es dann auf nach Monkey Mia. Uwe und Anja waren das frühaufstehen anscheinend noch nicht so gewohnt. Wie auch, denn sie sind ja erst gerade in Australien angekommen. So mussten sie mit Alex’s hilfe aus dem Bett geschaukelt werden. Beim Bushcamper mit Hitop, also hohem Schwerpunkt, war das auch kein Problem. Da ich mich auch noch gut versteckt an der Hinterseite des Wagens positioniert hatte, war dann auch Alex der Alleinschuldige. In Monkey Mia angekommen erwartete uns dann eine Touristenhorde. Allerdings waren bei der ersten Fütterung auch die Jungtiere und die Männchen mit dabei. Es waren sicher 20 oder mehr Tiere in der flachen Bucht zugegen. Gefüttert wird allerdings nach strengen Regeln. Es sind immer die fünf gleichen Tiere, Weibchen, die bis zu 3 mal am Tag maximal 500 Gramm Fisch bekommen. Die Zuschauer dürfen bis zu den Knöcheln ins Wasser und werden zufällig ausgesucht um einen Fisch zu verfüttern. Natürlich war ich nicht dabei. War aber auch egal, denn die Delfine konnte ich so oder so von ganz nah beobachten. So nahe war ich noch nie an einem Delfin dran. Schade dass man sie nicht berühren darf, wegen der Krankheiten und auch weil schon einige Leute gebissen wurden. Später am Tag fuhren wir dann noch in den Francois Perron Nationalpark. Da die Tracks da rein zum teil sehr sandig sind, stehen am Parkeingang auch Luftdruckstationen bereit um den Reifen druck auf ca. 20 psi abzulassen, bzw. dann auch wieder auf 35 psi (bei mir eben) aufzupumpen. Die Tracks waren allerdings sehr gut zu befahren und nur deren wegen hätte man die Luft nicht ablassen müssen. Es gab aber einige tiefsandige Stellen am Campingplatz bei der Big Lagoon. Da war der reduzierte Druck schon hilfreich. Der Reifen bekommt dadurch mehr auflagefläche und greift besser. Die Lagune war auch sehr schön anzuschauen und wir haben mit unseren zwei Fahrzeugen gleich auch die Pole Position Plätze ergattern können, die zwei einzigen Plätze direkt am Strand.
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Monkey Mia, BIride Booh und fantsticher Sonnenaufgang auf der furchtbaren Campsite
der nächste Tag war dann vor allem wieder mal ein Fahrtag. Wir fuhren hoch nach Carnarvon und ich wollte dann eigentlich weiter in den Kennedy Ranges Nationalpark und nach Mt. Augustus. Allerdings kündigte sich das Unheil bereits in der Nähe von Carnarvon an. Links und Rechts der Strasse sah man tiefe Gräben, die auf den starken Regenfall der letzten Wochen oder gar Monate zurück zu führen waren. In der Tourist Info in Carnarvon hat man mir dann gesagt dass Mt. Augustus machbar wäre, die Kennedy Ranges aber definitiv gesperrt seien. Ich habe mich dann entschlossen doch nach Exmouth hoch zu fahren und mir das Ningaloo Reef und den Cape Range Nationalpark anzuschauen. Wir ich später dann von Alex erfuhr, der nach Mt. Augustus wollte, war auch diese Strasse gesperrt. Schade, aber da kann man leider nichts machen. Die Strassenarbeiter dürften noch gut zwei Wochen brauchen, bis alles wieder befahrbar ist. Bin ja dann mal gespannt wie es weiter oben im Norden so mit den Strassenverhältnissen beschert ist…
Genächtigt wurde dann bei den Blowholes nahe Carnarvon. Na ja, was heisst nahe? Es waren nur etwas 70 Kilometer von der Stadt bis dahin zu fahren. Für australische Verhältnisse ein Katzensprung.
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Riesen Termitenbau, Big Lagoon, Big (Morning) Lagoon, Mr. Crabbs und Blaseloch
In der nächsten Runde geht es dann hoch nach Exmouth ans Ningaloo Reef. Es wird definitiv noch touristischer und auch voller, da auch noch Wochenende war. Na ja, und ob sich das wirklich gelohnt hat, die 150 Kilometer hoch und dann auch wieder zurück zu fahren, das erfährt ihr dann im nächsten Beitrag.
Catch ya’ later, mate!

Samstag, 16. April 2011

Der Hutt River Prinz

Tag 47 bis 49; Sonntag 10. April bis Dienstag 12. April
Den Sonntagmorgen habe ich ganz früh beginnen lassen. Um halb fünf war ich schon aus den Federn. Als erstes habe ich mich dann erst einmal über die SMS meiner Eltern gefreut, die mir zum Geburtstag gratuliert haben. Well done, ihr wart die ersten ;-) Kaffe gab es vorerst keinen. Der Morgenbrunz musste aber dann doch drin liegen bevor ich um viertel vor fünf los fuhr. “Warum tut er das wohl?”, mögen sich die einen fragen. Na ja, nach dem Ansturm auf die Pinnacles am Vorabend, da waren bestimmt 30-40 Autos im Park unterwegs, wollte ich dieses Naturwunder einmal einfach für mich alleine geniessen. Die ganzen Familien mit Kindern fallen morgens um viertel nach Fünf schon mal aus dem Programm. Zu dieser Zeit fuhr ich nämlich auf den menschenleeren Parkplatz des Nationalparks. Die Sonne würde sich zwar erst um halb sieben zeigen, aber ich wollte die Morgendämmerung ausnutzen. Aber jetzt war die Zeit erst mal reif für einen Kaffee. Danach ging's flugs in den Park. Das erste Foto war ja schon mal nicht so schlecht. Pinnacles mit dem Kreuz des Südens (Sternbild) im Hintergrund. Schnell suchte ich mir eine neue Position und da passierte es! Mir fuhr doch tatsächlich eine Wagen ins Bild und parkte genau in meinem Motiv! Es ist ja echt kaum zu glauben! Da dachte ich am Sonntag, morgens um viertel vor Sechs, wäre ich der einzige der sich so etwas antut und so früh schon unterwegs ist. Ja denkste! Fortan fuhren neue Wagen in und im Park herum. Deren Türen öffneten sich unentwegt und entliessen neue Fotografen aus ihrem inneren damit sie mit Stativen und Kameras bewaffnet in meiner Szenerie rumspringen! Echt unglaublich! Ich hatte geraden mal 15 Minuten für mich alleine im Park. In aller Hergottsfrühe! Ganz klar, das war der falsche Ort und wohl auch der falsche Zeitpunkt. Vermutlich hätte ich unter der Woche etwas mehr Ruhe gehabt, aber meine Reiseroute hatte eben andere Pläne für mich. Ich habe mich dann schnell aus dem Staub gemacht und in einen ruhigeren Teil des Parks zurück gezogen. Da war ich dann auch schon wieder alleine und konnte ungestört meine Fotos schiessen.
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Pinnacles und eine Dünenlandschaft aus schneeweissem Sand
Am Nachmittag kam ich in der Hutt River Province an und stellte fest dass ich ja überhaupt nicht mehr in Australien bin. Der Herrscher dieser Provinz, Prince Leonard of Hutt, hat sich 1970 nämlich einfach seinen eigenen Staat gegründet. Damals, als Australien noch dem Commonwealth angeörte, waren die Gesetze nämlich so ausgelegt dass jeder Landbesitzer aus dem Commonwealth austreten kann, sofern sein Land oder Besitz gefährdet ist, und einen eigenen Staat gründen kann. Genau das haben Leonard und einige andere Farmer auch getan. Durch die Erhebung von Exportquoten sahen sie ihren Beitztum in Gefahr. Dem Wunsch auszutreten folgte natürlich ein langwieriger Gerichtsprozess. Leonard hat aber auf seinem Recht beharrt und es schliesslich auch bekommen. So ist nun die Principiailty of Hutt River der zweitgrösste autarke Staat im Kontinentstaat Australien. Mit allem was dazu gehört. Man bekommt ein Visum und einen Stempel in seinen Pass, wenn man einreist, es hat eine Poststelle und es gibt auch eigenen Briefmarken. Sogar eigene Noten hatt der Prince of Hutt drucken lassen. Eine Kirche ist auch vorhanden und wenn es offiziell wird, so wie bei meinem Interview, das ich mit dem Prinzen geführt habe, dann zieht er sogar seine rote Prinzenrobe über. “Aber nur hier drinnen im Büro”, sagt er, “denn wenn mit der Robe draussen herum spazieren würde, dann würden mich die Leute ja für verrückt halten!” Ja, wo er recht hat, da hat er recht. Es war mir, und ihm, dann auch einer Ehre mit einem Gläschen Wein auf meinen 35 Geburtstag anzustossen. Ein skurriles kleines Geburtstagsfest, völlig verrückt, und somit halt einfach typisch Australisch :-)
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Hutt River Provinz und Prinz
Nach der Nacht in Ausland konnte ich dann problemlos wieder nach Australien einreisen. Ja und kaum war ich wieder im Land, da kam auch schon eine Frau, wild winkend, mit einem Kind an der Hand aus dem Busch gerannt. Erst jetzt bemerkte ich das überschlagene Auto, welchen ein stück weiter im Busch lag. Als ich stoppte, lief die Frau nochmal zum Auto zurück und kam mit einem Baby auf dem Arm wieder auf die Strasse. Sie wollte zwei Ziegen ausweichen, da sei sie auf die weiche Sandböschung gefahren und hätte sich überschlagen. Zum Glück ist niemanden was passiert. Die Frau, Maggie, hatte nur eine Prellung am Arm und der gehörlose Sohn einen kleinen Kratzer, den man mit einem Pflaster aus meiner Reiseapotheke schnell wieder heile machen konnte. Ich hab die drei dann erst mal in die nächste “Stadt” gebracht, nach Kalbarri. Zum Glück waren es auch nur 20 Kilometer. Erst mal zum Spital um alle durchecken zu lassen. Danach habe ich schnell der Polizei Meldung erstattet und bin dann nochmals zum Auto um die Sachen raus zu holen und das Hörgerät des Kleinen zu suchen. Er muss es beim Unfall verloren haben. Leider liess sich das Hörgerät nicht mehr finden, aber wenigsten konnte ich Maggie ihre Wertsachen wieder bringen. Als Dankeschön habe ich dann vom Krankenhauspersonal einen Kaffee und ein leckeres Sandwich spendiert gekriegt. Alle waren sehr dankbar, dass ich mich halt um die drei gekümmert hatte, und irgendwie war ich für die dann der Held des Tages. Obwohl, eigentlich hatte ich ja nicht viel gemacht. Eben nur das, was halt ganz selbstverständlich ist, wenn jemand in Not ist. Im Gegenzug hatte ich ja auch schon oft von den Australiern immer wieder Hilfe bekommen und werde sie vermutlich auch auf meiner weiteren Reise hin und wieder mal brauchen und schätzen.
Am Nachmittag hatte ich noch Zeit um den Küsten teil des Kalbarri Nationalparks anzugucken. Der Park ist in zwei Hälften geteilt. Den Küstenteil und den Inlandteil. Die Küste ist eine recht spektakuläre Sandsteilküste. Das Meerwasser hatte Jahrtausende Zeit um den weichen Sandstein weg erodieren zu können. Dabei sind verschiedenste Strukturen entstanden.So wie bei Kalbarri gibts so eine Steilküste nicht mehr zwischen Perth und Carnarvon. Leider gibst in der ganzen Umgebung keinen einzigen günstigen Campingplatz. Buschcampen ist auch verboten und so bleibt einem nur die Option in einem Caravanpark zu übernachten. Für 25$ die Nacht. Das haben die ja mal ganz gut abgesprochen. Da es eh schon spät war habe ich mir das aber gegönnt. So mal wieder warm duschen zu können ist ja auch nicht ohne.
Nächster Tag, nächste Runde… Nun ging es dem inlandteil des Kalbarri Parkes an den Kragen. Der widmet sich ganz dem Murchison River. Da alles um Kalbarri herum aus Sandstein besteht, hat sich dieser tief in den weichen Stein gegraben. Lustigerweise sind dadurch ganz ähnliche Strukturen entstanden wie an der Küste. Der Murchison hat sich  eine beindruckende tiefe Gorge gegraben. Einfach spektakulär! Tja, wie es der Zufall so will habe ich den Alex, einen Deutschen den ich schon beim Shelly Beach bei Albany getroffen hatte, wieder daherkommen sehen. Nach einer kurzen Unterhaltung verliessen wir den Park dann um uns bei der nahem 24 Stunden Rest Area wieder zu treffen. Allerdings kamen wir nicht weit. Bei einem weissen Auto war dann auch Schluss. Es handelte sich dabei um vier deutsche, die mit ihrem Wagen liegen geblieben sind. Benzinpumpe defekt, da gab es dann auch nur noch den Abschleppdienst. Später am Abend gab es dann das grosse Wiedersehen am Rastplatz. Nebst Alex kamen auch noch der Uwe und die Anja dazu. Da wir sowieso die gleichen Ziele hatten, beschlossen wir kurzerhand uns zusammen zu tun und die nächsten Tag in der Vierergruppe zu bestreiten. Tja und über unsere weiteren Abenteuer zu viert, da berichte ich dann das nächste Mal. Auf jeden Fall wird es ein Deja Vu geben, wir werden uns mit den Delfinen im seichten Wasser treffen und es geht an eine riesengrosse, azurblaue Lagune…
Bis dann!
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Nachtbild auf dem Rastplatz und Kalbarri pur. Viele Kängis, ein Schlängi (war ganz klein und hat noch geschlafen), eine Libbi, “Natures Window” (Der Steinbogen), Gorges, einfach gorgeous!