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Samstag, 16. April 2011

Der Hutt River Prinz

Tag 47 bis 49; Sonntag 10. April bis Dienstag 12. April
Den Sonntagmorgen habe ich ganz früh beginnen lassen. Um halb fünf war ich schon aus den Federn. Als erstes habe ich mich dann erst einmal über die SMS meiner Eltern gefreut, die mir zum Geburtstag gratuliert haben. Well done, ihr wart die ersten ;-) Kaffe gab es vorerst keinen. Der Morgenbrunz musste aber dann doch drin liegen bevor ich um viertel vor fünf los fuhr. “Warum tut er das wohl?”, mögen sich die einen fragen. Na ja, nach dem Ansturm auf die Pinnacles am Vorabend, da waren bestimmt 30-40 Autos im Park unterwegs, wollte ich dieses Naturwunder einmal einfach für mich alleine geniessen. Die ganzen Familien mit Kindern fallen morgens um viertel nach Fünf schon mal aus dem Programm. Zu dieser Zeit fuhr ich nämlich auf den menschenleeren Parkplatz des Nationalparks. Die Sonne würde sich zwar erst um halb sieben zeigen, aber ich wollte die Morgendämmerung ausnutzen. Aber jetzt war die Zeit erst mal reif für einen Kaffee. Danach ging's flugs in den Park. Das erste Foto war ja schon mal nicht so schlecht. Pinnacles mit dem Kreuz des Südens (Sternbild) im Hintergrund. Schnell suchte ich mir eine neue Position und da passierte es! Mir fuhr doch tatsächlich eine Wagen ins Bild und parkte genau in meinem Motiv! Es ist ja echt kaum zu glauben! Da dachte ich am Sonntag, morgens um viertel vor Sechs, wäre ich der einzige der sich so etwas antut und so früh schon unterwegs ist. Ja denkste! Fortan fuhren neue Wagen in und im Park herum. Deren Türen öffneten sich unentwegt und entliessen neue Fotografen aus ihrem inneren damit sie mit Stativen und Kameras bewaffnet in meiner Szenerie rumspringen! Echt unglaublich! Ich hatte geraden mal 15 Minuten für mich alleine im Park. In aller Hergottsfrühe! Ganz klar, das war der falsche Ort und wohl auch der falsche Zeitpunkt. Vermutlich hätte ich unter der Woche etwas mehr Ruhe gehabt, aber meine Reiseroute hatte eben andere Pläne für mich. Ich habe mich dann schnell aus dem Staub gemacht und in einen ruhigeren Teil des Parks zurück gezogen. Da war ich dann auch schon wieder alleine und konnte ungestört meine Fotos schiessen.
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Pinnacles und eine Dünenlandschaft aus schneeweissem Sand
Am Nachmittag kam ich in der Hutt River Province an und stellte fest dass ich ja überhaupt nicht mehr in Australien bin. Der Herrscher dieser Provinz, Prince Leonard of Hutt, hat sich 1970 nämlich einfach seinen eigenen Staat gegründet. Damals, als Australien noch dem Commonwealth angeörte, waren die Gesetze nämlich so ausgelegt dass jeder Landbesitzer aus dem Commonwealth austreten kann, sofern sein Land oder Besitz gefährdet ist, und einen eigenen Staat gründen kann. Genau das haben Leonard und einige andere Farmer auch getan. Durch die Erhebung von Exportquoten sahen sie ihren Beitztum in Gefahr. Dem Wunsch auszutreten folgte natürlich ein langwieriger Gerichtsprozess. Leonard hat aber auf seinem Recht beharrt und es schliesslich auch bekommen. So ist nun die Principiailty of Hutt River der zweitgrösste autarke Staat im Kontinentstaat Australien. Mit allem was dazu gehört. Man bekommt ein Visum und einen Stempel in seinen Pass, wenn man einreist, es hat eine Poststelle und es gibt auch eigenen Briefmarken. Sogar eigene Noten hatt der Prince of Hutt drucken lassen. Eine Kirche ist auch vorhanden und wenn es offiziell wird, so wie bei meinem Interview, das ich mit dem Prinzen geführt habe, dann zieht er sogar seine rote Prinzenrobe über. “Aber nur hier drinnen im Büro”, sagt er, “denn wenn mit der Robe draussen herum spazieren würde, dann würden mich die Leute ja für verrückt halten!” Ja, wo er recht hat, da hat er recht. Es war mir, und ihm, dann auch einer Ehre mit einem Gläschen Wein auf meinen 35 Geburtstag anzustossen. Ein skurriles kleines Geburtstagsfest, völlig verrückt, und somit halt einfach typisch Australisch :-)
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Hutt River Provinz und Prinz
Nach der Nacht in Ausland konnte ich dann problemlos wieder nach Australien einreisen. Ja und kaum war ich wieder im Land, da kam auch schon eine Frau, wild winkend, mit einem Kind an der Hand aus dem Busch gerannt. Erst jetzt bemerkte ich das überschlagene Auto, welchen ein stück weiter im Busch lag. Als ich stoppte, lief die Frau nochmal zum Auto zurück und kam mit einem Baby auf dem Arm wieder auf die Strasse. Sie wollte zwei Ziegen ausweichen, da sei sie auf die weiche Sandböschung gefahren und hätte sich überschlagen. Zum Glück ist niemanden was passiert. Die Frau, Maggie, hatte nur eine Prellung am Arm und der gehörlose Sohn einen kleinen Kratzer, den man mit einem Pflaster aus meiner Reiseapotheke schnell wieder heile machen konnte. Ich hab die drei dann erst mal in die nächste “Stadt” gebracht, nach Kalbarri. Zum Glück waren es auch nur 20 Kilometer. Erst mal zum Spital um alle durchecken zu lassen. Danach habe ich schnell der Polizei Meldung erstattet und bin dann nochmals zum Auto um die Sachen raus zu holen und das Hörgerät des Kleinen zu suchen. Er muss es beim Unfall verloren haben. Leider liess sich das Hörgerät nicht mehr finden, aber wenigsten konnte ich Maggie ihre Wertsachen wieder bringen. Als Dankeschön habe ich dann vom Krankenhauspersonal einen Kaffee und ein leckeres Sandwich spendiert gekriegt. Alle waren sehr dankbar, dass ich mich halt um die drei gekümmert hatte, und irgendwie war ich für die dann der Held des Tages. Obwohl, eigentlich hatte ich ja nicht viel gemacht. Eben nur das, was halt ganz selbstverständlich ist, wenn jemand in Not ist. Im Gegenzug hatte ich ja auch schon oft von den Australiern immer wieder Hilfe bekommen und werde sie vermutlich auch auf meiner weiteren Reise hin und wieder mal brauchen und schätzen.
Am Nachmittag hatte ich noch Zeit um den Küsten teil des Kalbarri Nationalparks anzugucken. Der Park ist in zwei Hälften geteilt. Den Küstenteil und den Inlandteil. Die Küste ist eine recht spektakuläre Sandsteilküste. Das Meerwasser hatte Jahrtausende Zeit um den weichen Sandstein weg erodieren zu können. Dabei sind verschiedenste Strukturen entstanden.So wie bei Kalbarri gibts so eine Steilküste nicht mehr zwischen Perth und Carnarvon. Leider gibst in der ganzen Umgebung keinen einzigen günstigen Campingplatz. Buschcampen ist auch verboten und so bleibt einem nur die Option in einem Caravanpark zu übernachten. Für 25$ die Nacht. Das haben die ja mal ganz gut abgesprochen. Da es eh schon spät war habe ich mir das aber gegönnt. So mal wieder warm duschen zu können ist ja auch nicht ohne.
Nächster Tag, nächste Runde… Nun ging es dem inlandteil des Kalbarri Parkes an den Kragen. Der widmet sich ganz dem Murchison River. Da alles um Kalbarri herum aus Sandstein besteht, hat sich dieser tief in den weichen Stein gegraben. Lustigerweise sind dadurch ganz ähnliche Strukturen entstanden wie an der Küste. Der Murchison hat sich  eine beindruckende tiefe Gorge gegraben. Einfach spektakulär! Tja, wie es der Zufall so will habe ich den Alex, einen Deutschen den ich schon beim Shelly Beach bei Albany getroffen hatte, wieder daherkommen sehen. Nach einer kurzen Unterhaltung verliessen wir den Park dann um uns bei der nahem 24 Stunden Rest Area wieder zu treffen. Allerdings kamen wir nicht weit. Bei einem weissen Auto war dann auch Schluss. Es handelte sich dabei um vier deutsche, die mit ihrem Wagen liegen geblieben sind. Benzinpumpe defekt, da gab es dann auch nur noch den Abschleppdienst. Später am Abend gab es dann das grosse Wiedersehen am Rastplatz. Nebst Alex kamen auch noch der Uwe und die Anja dazu. Da wir sowieso die gleichen Ziele hatten, beschlossen wir kurzerhand uns zusammen zu tun und die nächsten Tag in der Vierergruppe zu bestreiten. Tja und über unsere weiteren Abenteuer zu viert, da berichte ich dann das nächste Mal. Auf jeden Fall wird es ein Deja Vu geben, wir werden uns mit den Delfinen im seichten Wasser treffen und es geht an eine riesengrosse, azurblaue Lagune…
Bis dann!
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Nachtbild auf dem Rastplatz und Kalbarri pur. Viele Kängis, ein Schlängi (war ganz klein und hat noch geschlafen), eine Libbi, “Natures Window” (Der Steinbogen), Gorges, einfach gorgeous!

2 Kommentare:

  1. Hoi Manuel
    der Prinz ist ja schon ein bisschen ein schräger Vogel, oder sieht nur so aus. Wie schön finden wir es jetzt, dass du mich zum Internet überredet hast. So können wir immer ein bisschen teilhaben an deinem Trip. Und du bist ja so fleissig am berichten und tollen Fotos schiessen. Toi Toi Toi und weiter so .
    Grüsse Ma u. Däddel

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  2. Hoi Manuel
    der Prinz ist ja schon ein bisschen ein schräger Vogel, oder sieht nur so aus. Wie schön finden wir es jetzt, dass du mich zum Internet überredet hast.So können wir immer ein bisschen teilhaben an deinem Trip, und du bist ja so fleissig am berichten und Fotos schiessen. Toi Toi Toi und weiter so. Grüsse Ma U. Däddel

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