Am ersten ganzen Tag in Johannesburg wurde wir von Thursten in den nahe gelegenen Naturpark auf einen Spaziergang gebeten. Eigentlich wollten wir Zebras, Gnus und Oryx sehen. Leider waren die Tiere aber nicht dort wo uns der Weg hin führte. Dafür haben wir ein wenig über das erste Homestead in Johannesburg gelernt. Ein Homestead ist ein wenig mehr als ein kleiner Bauernhof. Es gab da auch eine eigene Schule für die Kinder. Bis zu 18 Kinder lernten auf engstem Raum für ihre Zukunft. Johannesburg wurde irgendwann Ende 19t. Anfang 20. Jahrhundert praktisch aus dem Nichts gegründet. Wieder ein Mal war das Gold der ausschlaggebende Punkt. Nach den ersten Meldungen über Goldfunde entstand innerhalb von 10 Jahren eine Stadt die kontinuierlich wuchs. Auch heute noch wird in Johannesbug Gold geschürft und verarbeitet. Davon zeugen riesige künstliche Hügel in Mitten der Stadt. Der dort aufgeschüttete Sand enthält immer noch Gold der aus dem Erzsand extrahiert wird.
Den Goldrausch hautnah erleben durften wir dann am Mittwoch. Bei einem Besuch von Gold Reef City kann man rund 60 Meter in eine alte Goldmiene absteigen und erleben wir das wertvolle Metall damals zu widrigsten Bedingungen abgebaut wurde. Die Mine ist insgesamt etwa 3’300 Meter tief. Das sei aber noch gar nichts, verriet uns der Operateur des Grubenlifts. Es gäbe Minen in Südafrika, die seien bis zu 12’000 Meter tief in die Erde gegraben worden. Erreichen könne man die untersten Lever durch vier Lifte, von denen jeder weitere 3’000 in die Tiefe führe. Um die Mine in Johannesburg entstand ein Freizeitpark mit allerhand Adrenalin versprechenden Achterbahnen. Alles in allem konnten wir gut fast den ganzen Tag im Park verbringen. Nachdem wir Vortags zu Aunty B und Northon, den Eltern von Tougieda zum Essen eingeladen waren, verbrachten wir diesen Abend zusammen mit Thommy, Tougieda, Esther und Brian im Restaurant. Brian ist der Bruder von Tougieda und Esther seine Frau. Sie alle und Farith, der Bruder von Thommy, mit seiner Familie erschienen dann auch noch am Freitag zum grossen Braai, dem Grillfest der Südafrikaner.
Wir durften die Ehre geniessen viele ganz liebe Menschen in Johannesburg kennen zu lernen. Mehr noch, wir können nicht nur an Eindrücken bereichert unseren weiteren Lebensweg antreten sondern auch mit neuen Freunden. Es ist wirklich eindrücklich wenn man so herzliche und gastfreundliche Menschen erleben darf. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für alles!
Am Donnerstag und Freitag haben unsere Gastgeber sogar noch extra für uns frei genommen um uns die Gegend zu zeigen. So besuchten wir Soweto, das grösste Township in Johannesburg und wohl auch Südafrika. Gegenläufig der generellen Meinungen sind nicht alle Townships brandgefährlich und hochkriminell. Soweto zeigte sich und tatsächlich sehr offen und freundlich. Im Harold Pieterson Museum lernten wir dann auch noch so einiges über das Tragische Schicksal des Schülers, Sowetos und die Gräuel der Apartheid. In den 1976 er Jahren wollte die weisse Regierung Afrikaans anstelle von English als Unterrichtssprache in der Schule einführen. Daraus resultierten heftige Proteste, da die schwarze Bevölkerung mehrheitlich die Stammessprachen wie Zulu oder Englisch sprachen. Bei einer Massendemonstration in Soweto schoss die Polizei, ausgelöst durch eine Rangelei, wahllos in die Menge. 69 Menschen starben, davon die meisten noch Kinder und Schüler. Darunter Harold, als jüngstes Opfer, mit rund 13 Jahren. 200 weitere wurden verletzt. Die meisten Opfer hatten Schusswunden im Rücken…
Es ist für mich als Schweizer, aufgewachsen wohlbehütet, frei und fern der Rassentrennung, schwer zu erfassen was die eigentlichen Motive der Apartheid waren. Letzten Endes muss es Angst gewesen sein. Die Angst der Weissen ihr Hab und Gut, Ihr Land und alles was sie aufgebaut hatten Stück für Stück an die schwarze Mehrheit zu verlieren. Ehrlicherweise hatten Sie das Land erst von der eingeborenen Bevölkerung erbeutet, bevor sie alles aufgebaut hatten. Nun, Jahre danach, war die Angst vorherrschend das allen wieder zu verlieren. Anstatt einen gemeinsamen Weg zu suchen entschieden einige mächtige Köpfe der Situation mittels absoluter Kontrolle Herr und Meister zu werden. Stück für Stück entstand aus der Saat der Angst die Trennung der Rassen und sukzessive Beschneidung der Rechte der Schwarzen und Farbigen. Beinahe alles wurde getrennt für die Weissen und die “nicht Weissen” zugänglich gemacht. Shops, Toiletten, Wartebänke, Schulen, Strände… Alles was das soziale Leben bestimmte wurde nach Rassen getrennt. Eine gesonderte Rolle war dabei den Farbigen vorbehalten. Weder Weiss noch Schwarz fielen sie zwischen Stuhl und Bank, konnten oft weder die Einrichtungen der einen Seite noch der anderen nutzen. Eines vergassen die Weissen jedoch. Ein Grundprinzip der Gesetze der Menschheit, wenn man so will. Je mehr man versucht, mit aller Gewalt, etwas zu verhindern, desto grösser werden die Chancen dass man genau das herauf beschwört, was man verhindern wollte. Je heftiger und brutaler sich die Gesetze der Apartheid in das Leben der Menschen einschnitten, umso mehr wehrten sie sich dagegen. Das Gemetzel in Soweto war nur ein Schreckensbeispiel, was passieren kann, wenn sich die Menschen ihren Ängsten nicht zu stellen vermögen, damit man einen gemeinsamen Weg in die Zukunft finden kann. zum Glück fand diese düstere Vergangenheit Südafrikas Anfang der 90er Jahre durch Nelson Mandela und Präsident de Klerk ein Ende. Südafrika hat die Chance erhalten bessere Lebensqualität zu erarbeiten und langsam zu der Regenbogennation heranzuwachsen mit der dieses Land so gerne beworben wird. Was bleibt ist die Hoffnung dass die Menschen auf der ganzen Welt aus der Vergangenheit lernt und endliche damit aufhört die Fehler der Vergangenheit immer und immer wieder zu begehen.
Nach dieser kleinen Geschichtslektion ging es dann noch in den Lionpark. Mit dem Auto kann man durch ein Gehege mit freilebenden Löwen fahren und diese aus nächster Nähe beobachten. Die Löwen zu finden ist auch gar nicht schwer, denn die Gehege sind wirklich sehr klein gehalten. Trotzdem sollte man das Fenster vom Auto nicht unbedingt öffnen.
Am Freitag schauten wir uns die Wiege der Menschheit an. Dabei handelt es sich um eine Höhle in der die Ältesten Knochen eines Homonoiden gefunden wurden. Anscheinend konnte dieses Wesen auf allen Vieren gehen und Bäume erklimmen, so wie die Affen, aber auch mehr oder weniger aufrecht durch die Gegend schreiten, so wie wir Menschen. Dabei handelt es sich um den “Missing Link”, das fehlende Bindeglied um Darwins Evolutionstheorie zu bestätigen und zu beweisen dass wir Menschen von Affen abstammen. Wenn man sich allerdings mal so einige Menschenexemplare der Neuzeit genauer anschaut, vor allem deren Benehmen, dann sind solche Funde wirklich überfällig. Wobei sich die Affen meistens besser benehmen als die Menschen… Wie auch immer…
Am Samstag hiess es dann packen, wagen waschen und abgeben und ab in den Flieger nach Australien. Bin ja mal gespannt was mich in den zwei weiteren Monaten noch alles erwartet. Bis bald!
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Hahaha, das Bild mit Brigitte und der Giraffe ist genial!!!
AntwortenLöschenDas ich deine Bilder und Berichte sehr beeindruckend finde, muss ich wohl kaum anmerken ;) So viele wunderschöne und abenteuerliche Aufnahmen, die Landschaften und Tiere, einfach genial! Viel Spass weiterhin, ich freue mich auf deine weiteren Berichte ;)