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Samstag, 5. März 2011

Endlose Weiten und grünes Namibia

Tag 4 bis 7; Dienstag 1. bis Freitag 4. März
Den Morgen unseres 4. Tages haben wir der Kultur der Kwoi uns der San verschrieben. Mit der Einrichtung “!Kwha ttu” hat eine Schweizerin vor Jahren eine Möglichkeit geschaffen die letzten Überreste der Kultur der Buschleute zu erhalten. Angehörige verschiedener Volksstämme zeigen, nachdem sie selber 9 Monate die Buschschule besucht haben, den Touristen ihre alte Kultur und wie die Buschleute früher gelebt haben. Früher, bevor sich die Weissen einfach ihr Land angeeignet haben. Es gäbe da noch von vielen Gräueltaten zu berichten, aber das lasse ich an dieser Stelle lieber. Was geschehen ist, das kann man nicht mehr rückgängig machen. Stattdessen sollte man lieber vorwärts blicken und alles darum geben dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Alles in allem ein sehr interessanter Vormittag. Hättet ihr gewusst dass es Vögel gibt die ihre gefangenen Insekten an Dornenbüschen aufspiessen um sie danach getrocknet geniessen zu können? Biltong für Vögel sozusagen. Oder dass die San den Saft einer giftigen Pflanze verwendet haben um ihre Beutetiere zu töten? Das Gift wirkt aber nur recht langsam. Der Pfeil ist deshalb so konstruiert dass der hinter Teil abfällt. Wenn die San diesen finden, markieren sie die Stelle und begeben sich erst am nächsten Tag auf Spurensuche um das tote Tier zu holen. Manchmal, wenn sie unbedingt Beute brauchen, verfolgen sie die Tiere direkt. Das kann aber schnell mehrere Stunden dauern.
Am Abend konnten wir an Strand noch einen überwältigenden Sonnenuntergang erleben. Es war als wolle sich das Meer noch mit seinen schönsten Farben von uns verabschieden.
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!khwa ttu Kulturzentrum

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Sonnenuntergang bei Yzerfontein
Neuer Tag, neues Abenteuer. Allerdings war für heute ein reiner Reisetag angesagt. Eigentlich wollten wir hoch nach Springbok fahren, haben es aber nicht ganz geschafft. Wir sind in einem “Outbacknest” namens Kamieskroon gelandet. Vielleicht etwa hundert Menschen leben hier, eher noch weniger. Die ganze Ortschaft ist auf die Wildblumensaison eingerichtet. Es gibt ein Hotel und haufenweise B&B’s. Als wir dort ankamen war der Ort wie ausgestorben. Das Namaqualand präsentierte sich uns als riesige, karge Landschaft, übersät mit kleinen, kniehohen Büschen. Kaum zu glauben dass aus diesen im Südfrühling Milliarden von bunten Blüten wachsen und im September die Attraktion der Westküste sind. Die nette Dame von unserem B&B hat uns gesagt dass wir unbedingt im September vorbeischauen müssen. Das werden wir irgendwann bestimmt nachholen. Aber vielleicht was es eben gut dass wir erst die karge Seite von Namaqualand gesehen haben. So wird die bunte Seite bestimmt noch viel eindrücklicher.
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Endlose Strassen in Namibia und Abendstimmung bei Kamieskroon
Der Donnerstag sollte sich als weiterer Fahrtag entpuppen. Der Weg zur Namibischen Grenze war relativ kurz. Es war gerade erst Mittag als wir uns der Zollabfertigung stellen durften. Man ist sich das ja gewohnt, dass man schnell den Ausweis durch das offene Fenster streckt, wenn überhaupt, um im vereinigten Europa in ein anderes Land einzureisen. Sogar als Schweizer, Schengen sei dank, ist das meist kein Problem. Dauer der Zollabfertigung: zwischen 5 Sekunden und 5 Minuten.  Zollabfertigung in Afrika ist allerdings eine etwas andere Geschichte. Bei der Ausreise von Südafrika bekamen wir an einer ersten Schranke ein Laufblatt in die Hände gedrückt.Danach mussten wir erst beim Immigrationsschalter vorbei. Pass zeigen, Formular ausfüllen, Stempel eins von drei im Laufblatt. Weiter ging's zur Zollabfertigung. Haben Sie Waren? Nein. Also gut. Formular ausfüllen, Stempel zwei in Laufblatt. Dann ging's weiter zur Polizei. Pass zeigen, Fahrausweis zeigen… Nach gut zwei Minuten erstaunten Studierens meines internationalen Fahrausweises getraute sich der junge Polizist endlich zu fragen was ich denn alles für Fahrzeuge bewegen darf. Kein Problem, steht ja alles drauf. Hinten auf dem Ausweis, sogar mit kleinen Symbolen. Man weiss ja nie ob man es mit einem Analphabeten zu tun hat. Nun schaut der Polizist nochmal gut eine Minute erstaunt auf meinen Plastikausweis und fragt danach ungläubig: “Das alles dürfen Sie fahren???” “Ja klar, sehen Sie hier, Autos, kleine Motorräder bis 45 km/h, Kleinbusse und Laster mit Anhänger bis 3,5 Tonnen.” Die Gegenfrage kam prompt:”Auch Scooter?” Ich habe dem guten Herrn dann erklärt dass ich auch Scooter fahren darf, eben so lange sie nicht schneller als 45 km/h fahren. Das Prinzip andere Länder, andere Sitten hat sich dann schnell bewahrheitet, denn in Südafrika muss für die Scooter eine extra Prüfung absolviert werden. Nachdem wir beide etwas gelernt hatten gab's dann den Stempel auch mit einem freundlichen Lächeln. Das vollständig ausgefüllte Laufblatt wurden wir an einer weiteren Schranke los. Aber erst mussten wir ein Formular ausfüllen und der Officer begutachtete unser Auto. Tatsächlich widmete er den Grossteil seiner Zeit mir dem studieren unseres Hecks. Ich glaube vor allem unser wunderschöner ZA-Kleber hat er ihm extrem angetan. Alles war ok, Zettel weg und ab nach Namibia! Über eine Brücke am Oranje, der eindrücklich breiten und gemächlich dahin fliessenden Lebensader von Nord-Südafrika und Süd-Namibia, wechselten wir die Nation und um uns wechselte sich schlagartig auch das Landschaftsbild. Von gebirgigen Umland des südafrikanischen Teils kamen wir in eine weite,flache Landschaft den namibischen Teils. Was haben wir uns über die schnelle Zollabfertigung gefreute als unsere Glückseligkeit abrupt vom Anblick des namibischen Zollhäuschens zerstört wurde…
Die Namibische Zollabfertiungsstelle war viel kleiner als das südafrikanische Pendant. Wir mussten auch nur zwei Posten durchlaufen. Die Passkontrolle; Formular ausfüllen, einem recht unfreundlichen Beamten Rede und Antwort stehen; Stempel drauf gut ist; und das Strassenverkehrsamt. Auch hier war die Devise; Formular ausfüllen. Und zwar wollten die allerhand Daten. Kontrollschildnummer, Motornummer, Chassisnummer usw. Zum Glück wurden uns alle Daten beim Abholen des Fahrzeugs fein säuberlich notiert. Danach geschah etwas neues. Wir durften unser Portemonnaie zücken und 200 Rand, gut 30.- sFr. abladen. Nutzungsgebühr für die “besten Schotterpisten der Welt!”, wie die Namibier behaupten. Da vor uns noch eine Gruppe Lastwagenfahrer das gleiche Prozedere vor sich hatte war eine kleine Verzögerung nicht abzuwenden. Wie auch immer, das Ganze ging doch recht schnell und die afrikanische Bürokratie kostete uns lediglich eine gute Dreiviertelstunde. Dafür konnte ich mir die Kontrollschildnummer und die Passnummern ausserordentlich gut einprägen. Wenn immer ich danach gefragt werde kann ich diese, wie aus der Pistole geschossen, aufsagen.Nach der Zollabfertigung hatten wir noch ein gutes Stück auf asphaltierter Strasse und ebenso auch auf Schotterpiste vor uns. Aber was soll da auch passieren. Der Vermieter hat uns ausdrücklich erlaubt diese Schotterstrassen zu fahren. Schliesslich sind es ja die weltbesten Schotterpisten, da oben in Namibia.
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Namibische Steppe, Fishriver Valley und unser Mountain Camp. Das Wetterleuchten, so faszinierend es auch war, wird uns noch vor einige strassentechnische Herausforderungen stellen…
Es gibt hier B,C und D Strassen. Die B Strassen sind alle geteert. Davon gibt es eine von Süd nach Nord und zwei oder drei in Ost-West Richtung. Die B1 war entsprechend ausgezeichnet zu fahren. Danach ging es auf einer C-Strasse weiter. Das sind die breiteren Schotterstrassen. Auch diese war, abgesehen von etwas Wellblech und einigen sandigen Flussüberquerungen, gut zu fahren. Die folgende D-Piste war noch einigermassen erträglich. Es gibt einige einfache Regeln die zu befolgen sind. Obwohl auf Schotterstrassen in Namibia 100 km/h erlaubt sind, sollte man diese Geschwindigkeitsbeschränkung nie ausschöpfen. Mit 60-70 km/h ist man auf der sicheren Seite. Wenn das Wellblech zu stark wird kann man entweder mit Schrittgeschwindigkeit durch holpern oder auf rund 80 km/h beschleunigen, so dass die Pneus nur noch die Spitzen des Wellblechs berühren. Die Bodenhaftung lässt dann allerdings zu wünschen übrig. Mann sollte also sehr vorrausschauend fahren, da ein Bremsmanöver so einiges an Zeit und Strecke in Anspruch nehmen kann. Bei den sandigen Rivieren sollte man vorher etwas Schwung aufnehmen. So gleitet der Wagen fast von alleine durch. Mit etwas Gas kann man allenfalls noch nachhelfen. Riviere sind übrigens Trockenflüsse die nur selten Wasser führen. Wenn die Riviere nicht sandig sind sollte man ebenfalls aufpassen. Dann können sich darin ganz lästige Buckel und Schlaglöcher bilden. So oder so sollte man vor den Rivieren auf gut 50 km/h runter bremsen, damit man die Lage ist die Lage zu erkennen. Also, hat es Sand? Fuss vom Gas und durch schliddern. Hat es Schlaglöcher? Bremsen und mit 10-20 km/h durch. Hat es keins von beidem? Mit 50 weiterfahren und hoffen dass man die Lage auch korrekt eingeschätzt hat. Ausserdem sollte man aufpassen dass man nicht zu weit an den weichen Rand der Piste kommt. Wenn man nämlich einsinkt, dann kann es einen in die Pampa hinaus ziehen und das ist nicht gerade angenehm. Zudem sollte man möglichst auf dem abgefahrenen mittleren Pistenstreifen bleiben. Das machen nämlich alle so weil dieser Bereich der Piste so platt gefahren ist, dass es meist keinen feinen Kies mehr dort hat, sondern nur noch harter Untergrund zum Vorschein kommt. So fährt es sich recht bequem. Häufig reduziert sich die Piste deshalb auch nur auf einen Streifen, der aber auch vom Gegenverkehr befahren wird. Bei den schier endlosen Geraden mit mehreren Kilometern Sichtweite ist das kein Problem. Man sieht ein entgegenkommendes Auto schon lange vor dem Kreuzen aufgrund der Staubwolke. Wenn die Strasse aber hügelig und unübersichtlich wird sollte man tunlichst auf seiner eigenen Seite bleiben.
Soviel zur Fahrweise auf den besten Schotterpisten der Welt. Am Donnerstad Abend haben wir in der Canon Lodge übernachtet. Das Zimmer hätte uns 950 Namibische Dollar gekostet, was rund 120 Franken sind. Allerdings ist der Preis nur für eine Person gerechnet. Dafür ist das Frühstück schon dabei. Auf die Frage hin ob auch ein günstigeres Zimmer vorhanden sei, wurden wir in die Mountain Lodge verwiesen. Das sind Zimmer für Selbstversorger, allerdings konnte man auch im Restaurant der Canon Lodge essen. Nachtessen am Buffet für ca. 25.- sFr. und Frühstück rund 10.- sFr. Da das Zimmer aber mit rund 45.- sFr p.P. deutlich günstiger war ging die Rechnung für uns gut auf. Einziges Manko, das Haus mit den rund 5 Doppelzimmern lag 6 km vom Restaurant entfernt, verbunden durch eine recht schmale Piste, die aber in ziemlich gutem Zustand war. Das Essen war fantastisch. Da viele der Lodges in der Gegend um das Fishriver Valley der Gondwana Gruppe angehören, ist einem exklusives Essen garantiert. Die Gruppe setzt auf das Selbstversorger Prinzip. Rund 70% der Nahrungsmittel stammen aus eigenem Anbau oder Züchtung. So wird garantiert das die Produkte einen hochwertige Qualität haben und ökologisch und auch ökonomisch hergestellt werden.
Am nächsten Morgen haben wir den Fishriver Canyon besucht. Es handelt sich um den zweitgrössten Canyon der Welt. Aber ehrlich gesagt war der Grand Canyon um ein vielfaches eindrücklicher. Der Fishriver Canyon ist sehr gewunden und auch lange nicht so breit und tief wie der Grand Canyon. Danach fuhren wir über die C12 hoch nach Keetmanshoop. Geplant war beim Köcherbaumwald zu übernachten. Unsere Pläne wurde aber nach fast 80 Kilometer Schotterpiste wurden unsere Pläne jäh durchkreuzt. Noch am Fischriver Canon sich noch so zwei typisch deutsche Damen über unseren kleinen Pistenfloh lustig gemacht. Von Schubkarrenreifen und wie man sich und ein Auto quälen könne war die Rede. Die eine hatte sogar noch so eine Fanmütze  von der letzten Fussball WM in den Nationalfarben Deutschlands auf dem Kopf. Wie peinlich ist das denn? Unser Fazit war dann auch dass es eher eine Qual wäre mit solchen Leuten in der Reisegruppe unterwegs sein zu müssen. Rund 80 km weiter habe ich dann unseren Pistenfloh in den Sand gesetzt. Nichts schlimmes. Ich hab ganz einfach nicht aufgepasst weil ich mit dem Offroadcar beschäftigt war, der im Rückspiegel immer näher kam. Beim Löwenfluss wurde es dann sehr sandig und der Untergrund was nass. Als ich realisierte dass sich dieser schwierige Untergrund bereits unsere Räder umhüllte gab es nur noch eines. Stoppen und stecken bleiben oder Gas geben und vielleicht noch aus der Misere kommen. Leider war das Stück viel zu lang und unsere Räder gruben sich immer mehr in den Sand. Normalerweise hätte ich vorher angehalten und die Lage erst abgecheckt. Nun war es zu spät, wir steckten fest. Zum Glück war ja Hilfe direkt unter uns und ich sah im Rückspiegel wie ein Reisecar seine Touristenfracht entlud. Irgendwann tänzelte auch eine von der letzten Fussball WM in den Nationalfarben Deutschlands aus der Tür. Musste das jetzt echt sein? Muss jetzt, nach 80 Kilometer ohne Probleme auf Schubkarrenreifen, dieses Paradebeispiel an Arroganz noch recht bekommen? Wie auch immer, der Rest der Gruppe war zum Glück sehr hilfsbereit und es bedurfte keinerlei grossen Anstrengungen unseren Floh wieder aus dem Sand zu schieben. Sehr wahrscheinlich hätten wir es auch alleine geschafft. Die Wahl fiel dann auf das Umfahren via einer nahe gelegen Piste. Leider war auch dort in der letzten Nacht ausserordentlich viel Regen gefallen. Einige schlammige Passagen meisterten wir noch ohne Probleme. Bei einer dicken, fetten, schlammigen Pfütze war dann unser Weg nach Keetmanshoop zu Ende. Da war schlichtweg kein durchkommen für uns. Wir mussten umkehren und wieder 80 km Schotterpiste fahren, bis wir dann am Canon Roadhause ankamen. Die Preise für eine Übernachtung dort sind mit rund 90.- sFr. pro Person ebenfalls gesalzen. Angesichts unserer Odyssee haben wir diesen aber bezahlt um in ein gemütliches Bett sinken zu können. Das es si9ich auch hier um eine Unterkunft der Gonwana Gruppe handelte, was das Nachtessen dafür ausserordentlich exklusiv, schmackhaft und recht günstig.
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Grosser Durst, allerlei Tiere, schönes Roadhouse als “Notunterkunft” und grünes Namibia
Fazit: Wir haben einige Bushregeln befolgt, was uns den Tag letzt endlich doch noch gerettet hat. Wir sind früh losgefahren, haben vollgetankt gehabt und hatten genügend Wasser bei uns. Wir hätten uns aber besser noch am Roadhouse informieren sollen wie die Strassenzustände sind. Vielleicht hätten die uns ja Auskunft darüber geben könne dass der Weg nach Keetmanshoop auf der C12 schwer passierbar ist. Besser noch hätten wir bei entgegenkommenden Fahrzeugen nachfragen sollen. Da hätten wir verlässliche und aktuelle Infos erhalten. Zum Glück haben wir ja noch einen Tag extra mit eingeplant. Trotzdem, es wird eine lange Fahrt morgen…

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